Sie frisst alles


Wo man nicht zu sprechen wagt, in dunklen Ecken nistet sie sich ein und wartet und wartet. Wartet auf Momente in denen Knie weich werden, das Leben Striche durch Rechnungen macht. Wenn die Welt  ins Wanken kommt, beginnt sie zu wachsen. Still nährt sie sich von Dunkelheit und Schweigen, von Unausgesprochenem, von Scham und Not. Je mehr Ruhe sie hat, desto besser gedeiht sie, breitet sich aus, gewinnt an Macht. Frei von Umsicht nutzt sie jeden Raum,  drängt in jeden Winkel, ist irgendwann überall. Dann bleibt nichts frei; nur Angst bestimmt. Nur Not noch, überall. Sie herrscht allein, furchtbar, diktiert Gedanken und legt sich über noch so schöne Eindrücke. Sie ist dann immer da und befiehlt über, Denken, Fühlen, Leben. Jeder Schritt scheint wie von Felsen gebremst, jedes Gefühl verklebt vom dunklen Hemmschuh ungesagter Not. 

Die Macht nimmt nur der direkte Blick in ihr Gesicht, die Aussprache ihrer Anwesenheit entzieht ihr Kraft. Ein Fingerzeig auf ihre Existenz, der hält sie klein und zahm. Dann ist sie wichtig, warnt; dient still ruhend.