Es ist raus
Hinter uns liegen gezählte Schritte und vor uns hoffentlich ungezählte mehr.
Es ist raus aus. Es schreit und trampelt nicht mehr in mir drin. Plötzlich ist es still.
Du stehst da und ich Dir gegenüber. Mitten im Hier auf einem Platz, der voll von Menschen ist, die das zwischen Dir und mir nicht im Geringsten interessiert geschweige denn betrifft. Hektisch rascheln Tüten an uns vorbei und Absätze klappern auf dem Stein. Nieselregen legt sich als kalter, nasser Schleier auf Menschen und Pflanzen und Feuchtigkeit kriecht in alle Ritzen und unter unsere Mäntel. Eben bin ich stehen geblieben, habe meine Hand auf Deine Schulter gelegt, Dich herumgedreht und aus dem Nichts den Satz: „Ich finde Dich toll“ gegriffen. Jetzt stehe ich da. Ich fühle mich nicht klein, nur unsicher. Bin mir aber sicher, dass das raus musste. Sonst wäre es in mir drin nur lauter geworden und irgendwann unterträglich. Ich habe meinen Rücken durchgedrückt und gesagt, dass ich Dich toll finde. Stimmen streifen unsere Ohren und Novemberkälte würde sich den Weg durch meine Kleidung bahnen, wäre da nicht mein Herz, das unaufhörlich pumpt. Es ist raus und ich stehe da. Zeit vergeht.
Du lachst kurz auf, als hätte ich einen Witz gemacht. Dann hältst Du inne und nimmst mich wahr. Vielleicht zum ersten Mal. Dann schlägt in Dir auf, dass ich nicht scherze.
Es vergehen scheinbar Jahre in denen nichts geschieht, in denen Du nichts sagst, nur ein Film, der hinter Deinen Augen abläuft. Alles gestoppt, als hätten die Zeit gerade tief Luft geholt und hielte nun den Atem an. Wir stehen da, im Licht von Schaufenstern, im Nieselregen mitten im Ende des Novembers. Und ich hoffe. Dann nimmst Du meine Hand und das fährt mir durch Mark und Bein. Im Augenwinkel sehe ich noch einen Mann mit Schieberkappe, der lächelnd an uns vorbeigeht bevor er im Abend verschwindet. Es wird nicht gestammelt, nichts erklärt, gezweifelt, gehadert oder lamentiert. Du erklärst weder Dich noch mir die Welt. Die Rotation steht still. Und ich denke noch, es müsste Musik im Hintergrund laufen. Meine Hand fasst Deinen Nacken und feine Härchen treffen meine Fingerspitzen. Das ist alles neu, nicht da gewesen, noch nie betreten, unentdeckt. Mein Magen dreht sich gefühlt einmal die Welt und endlich… fehlt nichts. Lichter spiegeln sich auf regennassem Kopfsteinpflaster und Menschen laufen links und rechts an uns vorbei und während sich unsere Gesichter einander nähern, interessieren uns die Menschen mit ihre Tüten und Taschen nicht im Geringsten. Kurz bevor ich meine Augen schließe streift Freude Deinen Blick.
Der Kuss der dann kommt …
passt nicht nicht hierhin.


