Weil es raus muss
Es gibt Abende, die man schnell mit Worten und Bildern noch mal nachmalen muss, weil man befürchtet, dass sie irgendwann aus dem Kopf verschwinden.
The National hat einen solchen Abend erzeugt.
Beim Betreten der Halle streifen von Vorfreude gefüllte Blicke einander und durch Luft die schwirrt eine seltsame Spannung. Nach nur wenigen Songs möchte man die Band mit nach Hause nehmen und für sich allein spielen lassen. Es macht sich das Gefühl breit, das gerade etwas Besonderes geschieht. Die Videos auf der Rückwand scheinen nicht nur Bilder, sondern vielmehr Atmosphäre zu projezieren. Ein Blick in die die von Scheinwerfern glänzenden Gesichter vermittelt, dass genau dies gerade ein oder zwei tausend Besucher spüren.; gleichzeitig. Die Menschen schwingen mit und schauen zu wie ein durch die eigene Musik entrückter Matt Berninger das gesamte Publikum mitnimmt; in das Land in dem nur noch ist. Jeden einzeln scheint er irgendwie zu berühren- gleichzeitig - und sich wiegende, knutschende, mit geschlossenen Augen wippende, lächelnde Menschen zu hinterlassaen.
Matt Berninger spielt keinen Rockstar. Er rotzt raus, was raus muss, weil es raus muss jetzt und hier. Es ist nicht prätentiös, er singt und bewegt sich, tritt schmeißt das Mikrofon um und hebt es direkt wieder auf und geht zwischendurch auf Toilette, weil er muss, singen, hocken, springen und sogar pinkeln. Alles ist echt. Dieser funke spring über und wird manifest als Berninger schließlich in die Menge eintaucht, hindurchschwimmt und für Minuten scheinbar verschwindet, als Lifeline zwischen sich und Musik nur das Mikrofonkabel, dass die Menge ihm vorsichtig über die Köpfe hinweg hinterherträgt. Es musste einfach alles raus. Nichts gespielt, es entsteht wie es kommt! Und er rotzt es dem Publikum vor , als sei ihm gerade nicht bewusst, dass es wunderbar ist… Aber es ist ganz wunderbar.
Und dann geht es zu Ende: Einfach so, fast leise.
