weit weg von zu Haus

Du sagst, dass Du nach Hause willst und meinst keinen Ort. Du fühlst Dich gerade gerade unfassbar weit entfernt von “zu Hause sein”.
Du sagst, dass man da nichts machen kann. Du musst das alleine schaffen, dahinzukommen, sagst Du. Mit zusammengekniffenen Augen und aufeinandergepressten Zähnen und viel Kraft rennst Du da jetzt durch, weil das immer so war, weil das nur so funktioniere, sagst Du. Wie soll das denn sonst gehen, sagst Du.
Ich finde, zu Hause ist man nie allein. Einsamkeit hat da keinen Zutritt. Zu Hause, ist es warm, da lässt man los, sich und seinen Willen. Da riecht es nach Kakao oder Kuchen. Da legt man den Mantel ab und zieht die Handschuhe aus. Da lässt man sich fallen; einfach nach hinten, ohne zu gucken. Zu Hause da fällt man weich oder in Arme, in vertraute.
Ich will dass Du weißt, dass hier immer ein bisschen zu Hause ist. Hier ist es nicht perfekt, aber hier ist immer eine Schulter in die man sein Gesicht hineindrücken kann. Hier ist immer etwas Arm, an den man sich klammern kann, auf den man atmen kann. Da kann die Luft aus seinem Herzen draufpusten und harte Zeit ausatmen. Die Stelle am Arm wird dann warm, erst ein bisschen und dann mehr und mehr, das breitet sich dann aus nach rechts und links und ein bisschen in einem drin.
Und dann kann man die Zähne voneinander lösen und die die Augen langsam öffnen.
Hier, dass sollst Du wissen, ist immer eine kleine Scheibe zu Hause übrig, ein Fetzen Decke, unter den Du kriechen kannst. Eine kleine Plattform auf der Du Luft holen darfst, um dann die Knie durchzudrücken und abzuspringen, irgendwie, irgendwohin, wo es nicht nur besser sondern sogar gut werden könnte.
Foto: under CC auf Flickr von nicasaurusrex
