Mars oder Snickers? Das reicht nicht!

Und was sagt Gott dazu?
Überall liegt wer in seiner gedanklichen Hängematte und sucht nach einer Ausrede, um ja nicht selbst das Hirn anmachen zu müssen.
Ich finde, es kann nicht sein, dass in unseren Köpfen ein Leistungsmonster steckt und wir es nicht mal aufwecken. Oft schläft das Ding einfach tagelang da oben in seiner Höhle.
An vielen Tagen kreisen Gedanken nur um: Mars oder Snickers!
Oder: haben die Sport1 aus meinem DVB-T genommen…. das ist aber scheiße, wo kann ich denn jetzt die Snooker WM gucken.
Und dann bewegt sich das Gehirn irgendwann zwischen Fernsehen, der nächsten neuen Hose und der Frage ob Sky komplett oder doch nur Sport Paket. Und wenn man das dann alles zu Hause hat?
Fühlt man sich gut dann gut? Oder gar besser?
Vielleicht für 5 Minuten? Geht dann alles wieder von vorne los? Und ehe man aufwacht, steckt man sich den Schwanz der eigenen Verdummung täglich selbst in den Hintern. Und das fühlt sich fantastisch an, vorne und hinten, gleichzeitig!
Und das sogar gegendert! Man macht das politisch korrekt! Denn sich selbst verarschen macht man im Kopf, sich selbst gedanklich penetrieren können Männer und Frauen gleich gut.
Was ich früher traurig und heute mehr und mehr frustrierend finde? Menschen trainieren sich geistige Muskeln einfach ab, gezielt aber unbewusst.
Wer sitzt denn schon mal irgendwo und denkt nach! Wo wird denn noch nachgedacht, irgendwas im Kopf zerlegt und gewendet und dann genau betrachtet. Wann verliert man sich denn mal dabei irgendwas begreifen zu wollen, so in allen Facetten.
Wie faszinierend ist der Gedanke, dass man oben in seiner Kammer einen Moment hat, den man noch nie hatte, den vielleicht - das stelle man sich mal vor- noch nie jemand hatte. 106 Milliarden Menschen haben insgesamt auf der Erde gelebt und es könnte sein, dass noch niemals jemand diesen einen Gedanken gedacht hat, den man da gerade in seiner Kemenate zusammengebastelt hat.
Aber das ist umständlich, das erforder Zeit und Muße. Dann muss man so einen Gedanken ja auch noch da raustragen und womöglich formulieren und dann auch noch erklären. Und wahrscheinlich hat Nietzsche oder Marx oder Kant oder Brecht oder Bohlen, also irgendeiner von den berühmten Leute, das sowieso schon mal gesagt oder mindestens gedacht.
Das interessante und einzig relevante Zitat stammt von Hannah Arendt:
„Denken ohne Geländer“
Einfach mal denken, um den Denkens willen. Denken ist erlaubt und gestattet: Besser einmal zu viel gedacht als einmal zu viel nach schon mal Gedachtem gesucht.
Und wenn man denkt, dann kann man fast alles machen. Wenn man denkt, dann ist man frei, viel freier.
Wenn ich denke bevor ich etwas tue, dann kenne ich die Konsequenzen, zumindest die direkten. Dann muss ich viel weniger Angst haben. Wenn man vorausdenkt, dann kann man ahnen was kommt. Dann kann man Antworten auf Fragen finden bevor sie gestellt werden und man kann Argumente auf Erwiderungen finden bevor diese kommen.
Wenn man denkt, dann macht man Sachen, die man selbst gut findet und unter Umständen nur man selbst.
Dann ist man selbst die wichtigste Instanz seines Handelns. Dann ist man dafür verantwortlich was man tut.
Jaja, aber was sagt denn Gott dazu? Also der Gott, der zu allem was zu sagen hat, der der doch eigentlich die Regeln aufstellen sollte. Der, der das schon regelt!
Ich glaube Gott, der ist der Erste, der es geil findet, wenn wir unsere Möglichkeiten nutzen.
Wenn wir wirklich nach Gottes Abbild geschaffen wurden, dann freut der sich ein Loch, dass mal irgendein Mensch den mächtigen Motor im Kopf anspringen lässt und mit dem Gas spielt, einfach weil er erkennt, dass er es kann.
Ich bin überzeugt, dass Gott der erste war, der Brangelina beim Poppen zugeguckt hat; einfach weil er es konnte! Und wie er wird sich kaputtgelacht haben wird, wie sie beide vom ganzen Bodystyling so müde und ausgemergelt waren, dass da nix mehr ging.
Was ich sagen will ist. Ich wünsche mir, dass die Rübe angemacht wird, ich meine Jetzt.
Schlingensief hat mal gesagt: Man kann die Leute nur erreichen, wenn man im Flugzeug die Durchsage macht, dass alle Triebwerke ausgefallen sind. Ich glaube, dass das stimmt. Aber sich auf diese Position zurückzuziehen ist doch recht unergiebig, denn in den 5 min zwischen dem Moment wo den Leuten das Hirn aufgeht und sie ehrlich zu reflektieren beginnen und dem Moment wo die Reste ihrer Köpfe auf dem Ozean als weiße Eiweißmatsche treiben, bleibt nicht viel für Veränderung.
Foto: flickr under cc-by nate steiner
