Ein bisschen Feminismus für alle.

Je mehr ich über aktuelle feministische Initiativen und Veranstaltungen lese und deren Ergebnisse wahrnehme, desto mehr bekomme ich den Eindruck, dass sich dort vielfach Bedürfnisse und Anliegen versammeln, die nicht mit der Frage des Geschlechts zusammenhängen. Vielmehr scheinen Frauen hier einem Bedürfnis Ausdruck zu verleihen, das viele weitere Teile der Bevölkerung betrifft.
Vielleicht sind Frauen sensibler für das, worunter viele – Frauen wie auch Männer – leiden. Vielleicht weil Frauen den gesellschaftlichen Druck, sich zwischen Familie, Arbeit und Selbstverwirklichung zu bewegen, als erstes und noch heute am deutlichsten spüren. Aber Fragen wie:
- Muss ich mich kaputt arbeiten, um meinen Träumen näher zu kommen und gleichzeitig gesellschaftlichen Anforderungen zu entsprechen?
- Wie viel Besinnung und Muße darf man sich gönnen?
- Was ist ein Lebensgefühl?
- Was bringt mich weiter und wo ist weiter eigentlich?
Das sind Fragen, die heute nicht mehr nur Mädchen und Frauen beschäftigen. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass diese und andere Fragen zunehmend auch Männer umtreiben.
Was für Handlungsoptionen ergeben sich daraus:
Erstens: Männer sollten zuhören und lernen. Und uns Fragen, ob die hier formulierten Wünsche nicht auch ihre Wünsche sind.
Zweitens: Frauen und Männer sollten aufeinander zugehen, sich einladen und Koalitionen schmieden. Damit wir gemeinsam Ideen von besserer Arbeit und mehr Leben und Familie verwirklichen können.
Und wenn wir dann ein bisschen feministischer werden. Dann müssen wir, die Männer, damit leben lernen.
Foto: under CC by wicced
