Seit zwei Tagen ist jetzt zu beobachten, wie sich Multiplikatoren und solche, die es werden wollen, aufschaukeln, aufschaukeln am Kandidaten Joachim Gauck, der mal was zu Sarrazin gesagt hat und zur Macht der Märkte und zu Hartz IV und sicher auch noch zu vielen anderen Themen, die nicht eben auf Zuspruch stoßen.
Es ist wünschenswert und mehr als legitim, dass sich Bürger mit ihrem Staatsoberhaupt auseinandersetzen, es hinterfragen und auch kritisieren. Aber die Debatte, die sich unter dem Schlagwort #notmypresident auf Twitter seit gestern herausgebildet hat und die Beiträge, die auf Facebook zu lesen sind, haben oft nicht viel mit kritischer Reflexion zu tun, sondern sind vielfach nur das stumpfe Wiederkäuen alter Vorwürfe, die irgendwer irgendwann aus dem Zusammenhang gerissen hat. Die Aussagen müssen in ihrem Kontext gesehen und diskutiert werden, das ist dann eine veritable Diskussionsgrundlage. Das Netz zeigt aber derzeit, was es am besten kann: Aufschaukelung. Wenn die richtigen Knoten kräftig auf eine Stelle trommeln, dann beginnt es zu schwingen. Und eine Kommunikationskultur wie die auf Twitter oder Facebook, die die Verkürzung gewohnt ist, scheint zu vergessen, dass nicht jede Aussage – schon gar nicht jede politische – in 140 Zeichen passt.
Die Lehre, die Gauck langfristig für seine Amtsführung daraus ziehen sollte: Er sollte ein Team aufbauen, das ihm solche Aufschaukelungen berichtet, damit er sie wahr- und mitnimmt und in seine Reden und seine Agenda einflechten kann.
Kurzfristig ist zu hoffen, dass das Netz oder besser die Akteure, die sich in ihm bewegen, abwarten und zuhören, was der Präsident zu sagen hat, wenn er erst mal Präsident ist. Sonst könnte er irgendwann rufen: #nichtmeinVolk. Dann stünden wir doof da, mit dicken Backen und das zu Recht.
Denn neben den vielen Pflichten, die ein Präsident hat, hat er vor allem auch ein Recht! Ein Recht darauf, dass ihm die Menschen zuhören; länger als 140 Zeichen.

Meine Schulter an der kalten Wand gelehnt, sehe ich wie sie sich amüsiert. Sie tanzt nun schon seit einer Stunde. Sie tanzt zu Musik, die wir beide nicht mögen; zumindest hat sie immer gesagt, dass sie sie auch nicht mag. Sie tanzt und wirft die Haare durch die Luft, ihre nicht mal schulterlangen Haare sind mittlerweile ganz verschwitzt. Und das bunte Licht spiegelt sich auf ihrer verschwitzten Stirn. Sie hat Spaß und ich hänge hier fest.

In den Feuilletons und Blogs findet gerade –Online wie Offline– eine Debatte um den „modernen Mann“, den „Schmerzensmann“ oder, um es allgemeiner zu fassen um Geschlechterrollen, statt.
In den Artikeln und Kommentaren geht es um zunehmend emotionalere Männer, die sich ihrer Gefühle bewusst werden, die diesen Ausdruck verleihen, um Männer, die sich in Leben mit reflektiertem Ich hineinzufinden versuchen. Die Autorinnen und Autoren (es sind mehrheitlich Frauen) beleuchten –häufig zynisch mit der Zunge schnalzend– Männer, die auf der Suche nach ihrer Rolle strickjackentragend und humorlos zu scheitern drohen.

Es könnte so einfach sein. Wir könnten sekttrinkend durch Straßen schlendern und lächelnd die Beine von Brücken baumeln lassen. Machen tun wir jungen Männer das eher selten. Zumindest tun wir das zu selten. Denn die Leichtigkeit des Beinebaumelns kann man nicht zu oft genießen. Gerne würden wir jeden Tag besondere Momente mit besonderen Menschen teilen und genießen, aber diese Leichtigkeit gibt es nicht im Überfluss, und es gab sie wohl auch nie.
Wir jungen Männer scheinen aber heute wohl den Eindruck zu machen, wir seien gehemmt und zögernd und nachdenklich und irgendwie in uns verloren. Wir wüssten nicht zu genießen, hätten Angst, uns hinzugeben. So skizziert Nina Pauer die so genannten “Schmerzensmänner” in einem ZEIT-Artikel. Wir hätten uns in der eigenen “Metaebene verheddert” und seien nicht mehr in der Lage, davon herunterzukommen.
Und sicher beschäftigen wir uns mehr denn je mit uns. Unser emotionales Universum bietet mehr als Wut und Freude. Und unsere Lebensziele beschränken sich eben nicht allein auf Wohlstand und Wirtschaftswachstum, den Kegelverein und das Hochbeet im eigenen Vorgarten.
Wir versuchen, einen und vielmehr unseren Platz in einer vielfältigen Welt zu finden. Die Multioptionsgesellschaft bietet viel mehr, als wir je erleben könnten. Wir, die heute um die 30-Jährigen, konnten als erste Generation alles werden und könnten alles sein. Wir müssen uns nur entscheiden. Nur entscheiden müssen wir uns. Und diese Entscheidungen wollen durchdacht werden, denn bereuen will man nichts.
Denken und Reflektieren lernen wir heute von klein auf. Wir müssen von jeher mit Entscheidungen leben und erleben, wie mit ihnen gerungen wird. Tante Kathrin schenkte Plastik und Tante Heide immer Holzspielzeug. Wir mussten aufs Gymnasium oder auf die Realschule. Wir lernten Französisch, Englisch oder Latein. Wir konnten ins Ausland gehen oder schnell ein 1er Abitur machen. Und irgendwann, irgendwie mussten wir uns auch noch selber finden, zwischen Abitur und den drei Jahren Berufserfahrung, die man nach dem Studium mit 24 aufweisen sollte. Das ist eine harte Aufgabe. Ein Bauchgefühl entwickeln und eine Persönlichkeit aus sich herauszufinden, trotz des Grundrauschens, das uns ständig umgibt. Eine komplexe Gefühlswelt erforscht man nicht in 20 Lebensjahren, und den Umgang mit ihr zu erlernen, bedarf seiner Zeit. Und wenn man sich finden will, dann muss man erstmal suchen. Und das sieht, auch wenn sich mancher und manche das offensichtlich sehr wünscht, selten immer cool, selbstbewusst und stark aus.
Und diesen Findungsprozess, der sicher auch mit Zweifeln oder zumindest damit zu tun hat, sich zu hinterfragen, den machen heute Frauen wie Männer durch.
Deshalb stehen wir zusammen bei Konzerten von Bon Iver und genießen es, wie der Mann auf der Bühne gerade sein Herz auf derselben ausschüttet. Und deshalb stehen auch Männer sich heute bei der Karriere mitunter selbst im Weg, wenn sie Aufgaben nicht selbstverständlich an sich reißen, weil sie sich diese nicht automatisch zutrauen. Und deshalb fragen sich zunehmend auch Männer, welche Rolle sie in einer Familie einnehmen wollen und wie diese mit dem Beruf vereinbar ist.
Frauen und Männer stehen da gemeinsam, weshalb sie vieles auch gemeinsam angehen sollten.
Und wohin uns das alles führen kann, schreibt Nina Pauer leider gar nicht. Sie schreibt nichts davon, dass das Reflektieren und die Entwicklung zu einem selbstsicheren, emotional kompetenten Wesen Spaß macht. Wünschenswert wäre, wenn es nicht eine Frage des Geschlechts ist, Lebensziele zu finden, die sehr einfach sind, dass man “lachen will an den richtigen Stellen” und gern geben will was man “zu geben vermag. Davon schreibt sie nichts.
Ich bin nun auch noch auf zwei weitere Repliken gestoßen:
@fraeulein_Tessa sowie @owlshowl in ihren Blogs!

Wo man nicht zu sprechen wagt, in dunklen Ecken nistet sie sich ein und wartet und wartet. Wartet auf Momente in denen Knie weich werden, das Leben Striche durch Rechnungen macht. Wenn die Welt ins Wanken kommt, beginnt sie zu wachsen. Still nährt sie sich von Dunkelheit und Schweigen, von Unausgesprochenem, von Scham und Not. Je mehr Ruhe sie hat, desto besser gedeiht sie, breitet sich aus, gewinnt an Macht. Frei von Umsicht nutzt sie jeden Raum, drängt in jeden Winkel, ist irgendwann überall. Dann bleibt nichts frei; nur Angst bestimmt. Nur Not noch, überall. Sie herrscht allein, furchtbar, diktiert Gedanken und legt sich über noch so schöne Eindrücke. Sie ist dann immer da und befiehlt über, Denken, Fühlen, Leben. Jeder Schritt scheint wie von Felsen gebremst, jedes Gefühl verklebt vom dunklen Hemmschuh ungesagter Not.
Die Macht nimmt nur der direkte Blick in ihr Gesicht, die Aussprache ihrer Anwesenheit entzieht ihr Kraft. Ein Fingerzeig auf ihre Existenz, der hält sie klein und zahm. Dann ist sie wichtig, warnt; dient still ruhend.
Wir sind die, die verstanden haben, dass das Netz eine große Chance ist, dass es uns verbindet und dass es überall ist und dass das gut so ist.
Wir sind die, die begriffen haben, dass man sich gegen das Netz nicht wehren kann, denn es ist da, überall. Wir können es nur nutzen, klug und engagiert. Unterdrücken kann man es nur mit Gewalt und Gewalt lehnen wir ab.
Wir sind die, die den Anderen immer wieder zu erklären versuchen, dass das Netz gut ist, dass es eine Chance ist, für uns alle. Wir sind die, die die Anderen dafür gewinnen wollen, mit dem Netz Bildung zu vereinfachen, medizinische Betreuung zu verbessern und wir wollen helfen mit dem Internet Kontakte zu knüpfen.
Aber wir sind auch die, die immer wieder Scheitern. Weil die Menschheit Angst vor dieser Neuerung hat. Sie befürchten es könnte sie durchleuchten, das Netz oder es könnte sie terrorisieren oder dabei helfen es zu tun oder sie könnten die Kontrolle verlieren, über das Leben oder ihren Beruf oder ihren Staat.
Wir sind so wie die X-Men der Gesellschaft. Nur eben nicht mit Mutanten, sondern mit dem Internet, nicht in einem Comic, sondern in echt.
Wir werben friedlich für die Aufgeschlossenheit, die man neuen Dingen entgegenbringen muss. Wir lehnen, so verlockend das manchmal sein mag, Arroganz ab, weil Arroganz Gräben schlägt wo wir Brücken brauchen.
Wir wissen, dass das Internet gewinnen wird, weil es ohnehin schon überall ist. Aber wir wollen, dass alle mitmachen, weil es besser ist, wenn alle mitmachen.
Die Häme und Arroganz und Wut Vieler, die die Entwicklung ebenfalls sehen, ist verständlich. Sie sind enttäuscht und sie wissen auch, dass das Netz gewinnen wird.
Aber Wut ist uns kein soziales, demokratisches und legitimes Handlungsmotiv. Wut wäre viel zu einfach.
Wir sind die X-Men des Internet, wir werden weiter für das Verständnis der Menschheit kämpfen. Die Gesellschaft muss begreifen, dass das Netz etwas Wunderbares ist. Wir wollen die Menschheit mitnehmen, sie begeistern, anders geht es gar nicht, in Frieden.
Der hier vorzufindende Pathos ist beabsichtigt.

Loslassen. trennen und sortieren! Was erfüllt? was füllt nur? Finden, dass was irgendwas macht und das was etwas mit mir macht. Suchen, nach Dingen die hängenbleiben und nicht nur kleben. Was bewegt und was beschwert? Will ich hier bleiben oder komme ich hier nur einfach nicht voran? Hat das eine Richtung oder wabert das alles nur? Kann ich trennen? Unterscheiden? Entscheidend ist doch nicht wohin ich gehe, sondern dass es voran geht. Oder soll ich zufrieden sein und bleiben? Macht mich das hier noch glücklich oder ist das nur okay? Ist das okay oder war das einfach immer schon so? Ist okay genug? Aufstehen? Schwere Gewohnheiten an allen Gliedern. Wie kalt ist es draußen? Kann mir das mal jemand sagen?

Je mehr ich über aktuelle feministische Initiativen und Veranstaltungen lese und deren Ergebnisse wahrnehme, desto mehr bekomme ich den Eindruck, dass sich dort vielfach Bedürfnisse und Anliegen versammeln, die nicht mit der Frage des Geschlechts zusammenhängen. Vielmehr scheinen Frauen hier einem Bedürfnis Ausdruck zu verleihen, das viele weitere Teile der Bevölkerung betrifft.
Vielleicht sind Frauen sensibler für das, worunter viele – Frauen wie auch Männer – leiden. Vielleicht weil Frauen den gesellschaftlichen Druck, sich zwischen Familie, Arbeit und Selbstverwirklichung zu bewegen, als erstes und noch heute am deutlichsten spüren. Aber Fragen wie:
Das sind Fragen, die heute nicht mehr nur Mädchen und Frauen beschäftigen. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass diese und andere Fragen zunehmend auch Männer umtreiben.
Was für Handlungsoptionen ergeben sich daraus:
Erstens: Männer sollten zuhören und lernen. Und uns Fragen, ob die hier formulierten Wünsche nicht auch ihre Wünsche sind.
Zweitens: Frauen und Männer sollten aufeinander zugehen, sich einladen und Koalitionen schmieden. Damit wir gemeinsam Ideen von besserer Arbeit und mehr Leben und Familie verwirklichen können.
Und wenn wir dann ein bisschen feministischer werden. Dann müssen wir, die Männer, damit leben lernen.
Foto: under CC by wicced

Lass locker. Hier gibt es heute nichts mehr zu gewinnen. Tritt einen Schritt zurück. Lass die anderen vorbei; mach das mal wenigstens heute. Du startest heute nicht mehr durch. Aber mach weiter, immer weiter mit dem woran Du glaubst. Deine Ziele sind nicht die von Tausenden, sondern Wünsche eines einzelnen. Daran glauben tust erstmal nur Du und später die, die Du von Dir überzeugt hast. Du trittst in keine Fußstapfen. Du kannst keinen Schritten folgen. Heute bist Du Deines Weges müde. Umso mehr, da Du die anderen auf der Straße siehst wie sie Dich überholen. Aber das ist ihr Weg. Dein Weg ist mein Dein und weder ich noch Du weißt ob Du da irgendwo das Glück findest. Aber wenn ein Pfad zu Deinem führt, dann Dein eigener.
Foto auf Flickr Mathew Wilkinson
Frage: Warum haben Wenige zu viel und immer mehr zu wenig?
Antwort: Das ist ja so, dass das gewachsene Strukturen sind. Dieses Verhältnis werden wir nicht so einfach auflösen können, da müssen wir sukzessive Maßnahmen entwickeln und die Stukturen genau betrachten.
So oder so ähnlich klingen Politikerinterviews heute oft: Eine gute Frage gefolgt von einer Aussage, die zu kurz greift, um etwas zu sein, was einer Antwort auch nur nahe käme. Nebulös und gallertartig wird jedes Durchscheinen einer Haltung vermieden, die man hinterfragen könnte oder rechtfertigen müsste.
Politik unterliegt dem Paradigma der schnellen Antwort. Ein Politiker, der bei Anne will sitzt, darf nicht sagen: “Das weiß ich nicht”. Und weil ein Politiker heute am Tag ca. 30 Antworten auf Fragen geben muss , die sich zwischen den Themen Gesundheitsversicherung und Straßenbau in Oberschwenningen bewegen, können die Antworten gedanklich wohl nicht weiter fassen als der Arm reicht.
Aber das was dann rauskommt. Das ist eben keine Antwort, es hinterlässt unbefriedigt. Es ist, als würde man sich mich mit Hunger und Appetit an den Tisch setzen und dann einen Batzen Mumpe vorgesetzt bekommen: Es schmeckt irgendwie, füllt den Magen mit irgendwas und nach zwei Stunden hat man wieder Hunger.
Politik muss das Denken wieder lernen, dass denken an die Geschichte, mit der man erzählt, wofür man Vertrauen möchte. Und Politiker müssen das Sprechen wieder lernen, das sprechen einer nicht gallertartigen Sprache. Das nutzen einer Sprache, die ehrlich benennt und begreiflich macht, was man will.
Aber dazu müssen Politiker sich die Frage beantworten, was sie wollen. Die Antwort werden sie nicht in zwei Minuten finden.