Ungefragte-Antworten

Mai 18

Twitter auf der Regierungsbank, eine Augenklappe für die Kanzlerin!


Die Kanzlerin ist strategisch so gerissen wie sie inhaltlich frei von Überzeugungen ist. Sie hält ihren Kopf nicht in den Wind. Frau Merkel mag keine Bewegung. Sie mag stetig eine schleichende Festigung ihrer Macht. Sie übernimmt Themen, wenn zu gesellschaftlichen Trends werden, schleift ihnen die progressiven Ecken ab und macht sie so, auch in konservativeren Kreisen der Mitte, konsensfähig. Den Instinkt für derartige Strömungen hat sie es beim Betreuungsgeld, der Energiewende und jüngst beim Mindestlohn unter Beweis gestellt. Forderungen, die die politische Konkurrenz  mit gesellschaftlicher Unterstützung an sie zu stellen droht, laufen so einfach ins Leere. Denn die Kanzlerin ist vor Ort, ehe sich ein Bündnis gebildet und eine Initiative geformt hat, um ein Thema zu besetzen. 

Jetzt wo die Piraten in Stadt und Land auf dem Vormarsch sind, erkennt Merkel, dass die Menschen nach echten Menschen lechzen; nach Politikern, die menschlich sind, die eine Meinung haben oder mindestens ein Gefühl.

2011 entdeckte der Merkel nahestehende Peter Altmeier Twitter für sich. Fortan spielte der designierte Umweltminister mit Freund und Feind Kommunikations-Ping-Pong im Internet. Man unterhielt sich mit Politikern und Interessierten auf Augenhöhe, kabbelte und flauschte sich ein bisschen. „Vielleicht ist die Union ja doch nicht so trocken und uncool wie man meinen mag“, dachte mancher, „Wenn schon ein vom Habitus so wenig cooler Mensch der Union so kommunizieren kann.“ Und tatsächlich ist Altmeier einer der was Aushält, der den Diskurs und die Debatte sucht. Und so war es Christ-Pirat Altmeier, der dann auch am Tag nach dem Seehoferschen Aussetzer diesen, vor der Presse, zu einem Versuch umdeutete, Transparenz zu schaffen.  Einen Tag weiter entließ Merkel ungewohnt eindeutig ihren einstigen Ziehsohn Röttgen und machte Altmeier zum Chef des Energiewendeprozesses. Damit wurde nicht nur ein originär grünes Thema zur Chefsache der Kanzlerin erklärt, darüber hinaus holte sie auch moderne Onlinekommunikation in Person Altmeiers ins Kabinett. 

Peter Altmeier wird nun also Umweltminister und Merkel hofft wohl, dass die 8-13 Prozent, die sich nach piratigem Lebensgefühl, nach Transparenz und Menschlichkeit sehnen, dass diese ein bisschen Augenklappe und Authentizität, eine Prise Menschlichkeit und Diskursfreude auf der Regierungsbank entdecken.

Foto under cc by giesenbauer on Flickr

Mai 13

Keine Haltung darf keine Stimmen kriegen!


Beim Angucken des Podcasts der Kanzlerin, wird in mir der Wunsch groß in den Monitor zu greifen und die Merkel zu schütteln. Ist in dieser Frau noch Leben drin? Wie kann man nur so unfassbar unbewegend sein? Da tut sich nichts. Als ob man ein minimalbewegtes Standbild mit einer monochrom klingenden Tonspur unterlegt; Ein Grundrauschen politischer Allgemeinplätze. So desinteressiert an Menschen darf die wichtigste Volksvertreterin nicht faseln. Wer fühlt sich denn dadurch vertreten? Vielmehr fühlt sich mein Hirn getreten, weil es ständig unterschätzt wird; als seien wir alle zu doof. Was die Merkel da redet schafft es nicht die Relevanzschwelle zwischen Ohr und Hirn zu überwinden. Da ist jede Sekunde ein Aufruf dafür, sich nicht für Politik zu interessieren. 
Hier in Berlin kann man sich nur wünschen, dass NRW den Röttgen mit einer klaren Botschaft zurückschickt: Wer keine Haltung hat, bekommt auch keine Stimmen.

Mai 09

Wie das klingt, zu zweit allein.

Manchmal möchte man ganz für sich sein. Zu zweit. Die Welt draußen lassen, sich die Decke über den Kopf ziehen und im Flüsterton miteinander sprechen. Man würde am Liebsten ein wenig der Stimmung in ein kleines Glas mit Drehverschluss füllen. Wenn dann die Welt um einen herum rattert, alles laut und unruhig ist, dann könnte man das Glas öffnen und es röche wieder nach Ruhe und nach zu Zweit allein sein. Vielleicht würde es auch leise Summen im Glas, ja es würde sicher summen. So wie es in dem Moment unter der Decke gesummt hat, als  man ganz allein zu zweit war und da kein Blatt Papier zwischen passte zwischen zwei Menschen und ihre Träume. So würde das klingen 

Foto under cc by tristesse deluxe

Febr. 21

Erst wenn die letzte Behauptung verklungen und der letzte Präsident zurückgetreten ist, werdet ihr begreifen, dass es keine Kandidaten mehr gibt.

Seit zwei Tagen ist jetzt zu beobachten, wie sich Multiplikatoren und solche, die es werden wollen, aufschaukeln, aufschaukeln am Kandidaten Joachim Gauck, der mal was zu Sarrazin gesagt hat und zur Macht der Märkte und zu Hartz IV und sicher auch noch zu vielen anderen Themen, die nicht eben auf Zuspruch stoßen. 

Es ist wünschenswert und mehr als legitim, dass sich Bürger mit ihrem Staatsoberhaupt auseinandersetzen, es hinterfragen und auch kritisieren. Aber die Debatte, die sich unter dem Schlagwort #notmypresident auf Twitter seit gestern herausgebildet hat und die Beiträge, die auf Facebook zu lesen sind, haben oft nicht viel mit kritischer Reflexion zu tun, sondern sind vielfach nur das stumpfe Wiederkäuen alter Vorwürfe, die irgendwer irgendwann aus dem Zusammenhang gerissen hat. Die Aussagen müssen in ihrem Kontext gesehen und diskutiert werden, das ist dann eine veritable Diskussionsgrundlage. Das Netz zeigt aber derzeit, was es am besten kann: Aufschaukelung. Wenn die richtigen Knoten kräftig auf eine Stelle trommeln, dann beginnt es zu schwingen. Und eine Kommunikationskultur wie die auf Twitter oder Facebook, die die Verkürzung gewohnt ist, scheint zu vergessen, dass nicht jede Aussage – schon gar nicht jede politische – in 140 Zeichen passt. 

Die Lehre, die Gauck langfristig für seine Amtsführung daraus ziehen sollte: Er sollte ein Team aufbauen, das ihm solche Aufschaukelungen berichtet, damit er sie wahr- und mitnimmt und in seine Reden und seine Agenda einflechten kann. 

Kurzfristig ist zu hoffen, dass das Netz oder besser die Akteure, die sich in ihm bewegen, abwarten und zuhören, was der Präsident zu sagen hat, wenn er erst mal Präsident ist. Sonst könnte er irgendwann rufen: #nichtmeinVolk. Dann stünden wir doof da, mit dicken Backen und das zu Recht.

Denn neben den vielen Pflichten, die ein Präsident hat, hat er vor allem auch ein Recht! Ein Recht darauf, dass ihm die Menschen zuhören; länger als 140 Zeichen.

 

Febr. 05

Aus dem Leben eines Schmerzensmanns

Meine Schulter an der kalten Wand gelehnt, sehe ich wie sie sich amüsiert. Sie tanzt nun schon seit einer Stunde. Sie tanzt zu Musik, die wir beide nicht mögen; zumindest hat sie immer gesagt, dass sie sie auch nicht mag. Sie tanzt und wirft die Haare durch die Luft, ihre nicht mal schulterlangen Haare sind mittlerweile ganz verschwitzt. Und das bunte Licht spiegelt sich auf ihrer verschwitzten Stirn. Sie hat Spaß und ich hänge hier fest.

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Jan. 24

Von Strickjacken und Bankenprotesten

In den Feuilletons und Blogs findet gerade –Online wie Offline eine Debatte um den „modernen Mann“, den „Schmerzensmann“ oder, um es allgemeiner zu fassen um Geschlechterrollenstatt.
In den Artikeln und Kommentaren geht es um zunehmend emotionalere Männer, die sich ihrer Gefühle bewusst werden, die diesen Ausdruck verleihen, um Männer, die sich in Leben mit reflektiertem Ich hineinzufinden versuchen. Die Autorinnen und Autoren (es sind mehrheitlich Frauen)  beleuchten  –häufig zynisch mit der Zunge schnalzend– Männer, die auf der Suche nach ihrer Rolle strickjackentragend und humorlos zu scheitern drohen.

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Jan. 14

Vorwärtshadern

Es könnte so einfach sein. Wir könnten sekttrinkend durch Straßen schlendern und lächelnd die Beine von Brücken baumeln lassen. Machen tun wir jungen Männer das eher selten. Zumindest tun wir das zu selten. Denn die Leichtigkeit des Beinebaumelns kann man nicht zu oft genießen. Gerne würden wir jeden Tag besondere Momente mit besonderen Menschen teilen und genießen, aber diese Leichtigkeit gibt es nicht im Überfluss, und es gab sie wohl auch nie.   

Wir jungen Männer scheinen aber heute wohl den Eindruck zu machen, wir seien gehemmt und zögernd und nachdenklich und irgendwie in uns verloren. Wir wüssten nicht zu genießen, hätten Angst, uns hinzugeben. So skizziert Nina Pauer die so genannten “Schmerzensmänner” in einem ZEIT-Artikel. Wir hätten uns in der eigenen “Metaebene verheddert” und seien nicht mehr in der Lage, davon herunterzukommen. 

Und sicher beschäftigen wir uns mehr denn je mit uns. Unser emotionales Universum bietet mehr als Wut und Freude. Und unsere Lebensziele beschränken sich eben nicht allein auf Wohlstand und Wirtschaftswachstum, den Kegelverein und das Hochbeet im eigenen Vorgarten. 

Wir versuchen, einen und vielmehr unseren Platz in einer vielfältigen Welt zu finden. Die Multioptionsgesellschaft bietet viel mehr, als wir je erleben könnten. Wir, die heute um die 30-Jährigen, konnten als erste Generation alles werden und könnten alles sein. Wir müssen uns nur entscheiden. Nur entscheiden müssen wir uns. Und diese Entscheidungen wollen durchdacht werden, denn bereuen will man nichts. 

Denken und Reflektieren lernen wir heute von klein auf. Wir müssen von jeher mit Entscheidungen leben und erleben, wie mit ihnen gerungen wird. Tante Kathrin schenkte Plastik und Tante Heide immer Holzspielzeug. Wir mussten aufs Gymnasium oder auf die Realschule. Wir lernten Französisch, Englisch oder Latein. Wir konnten ins Ausland gehen oder schnell ein 1er Abitur machen. Und irgendwann, irgendwie mussten wir uns auch noch selber finden, zwischen Abitur und den drei Jahren Berufserfahrung, die man nach dem Studium mit 24 aufweisen sollte. Das ist eine harte Aufgabe. Ein Bauchgefühl entwickeln und eine Persönlichkeit aus sich herauszufinden, trotz des Grundrauschens, das uns ständig umgibt. Eine komplexe Gefühlswelt erforscht man nicht in 20 Lebensjahren, und den Umgang mit ihr zu erlernen, bedarf seiner Zeit. Und wenn man sich finden will, dann muss man erstmal suchen. Und das sieht, auch wenn sich mancher und manche das offensichtlich sehr wünscht, selten immer cool, selbstbewusst und stark aus. 

Und diesen Findungsprozess, der sicher auch mit Zweifeln oder zumindest damit zu tun hat, sich zu hinterfragen, den machen heute Frauen wie Männer durch. 

Deshalb stehen wir zusammen bei Konzerten von Bon Iver und genießen es, wie der Mann auf der Bühne gerade sein Herz auf derselben ausschüttet. Und deshalb stehen auch Männer sich heute bei der Karriere mitunter selbst im Weg, wenn sie Aufgaben nicht selbstverständlich an sich reißen, weil sie sich diese nicht automatisch zutrauen. Und deshalb fragen sich zunehmend auch Männer, welche Rolle sie in einer Familie einnehmen wollen und wie diese mit dem Beruf vereinbar ist.

Frauen und Männer stehen da gemeinsam, weshalb sie vieles auch gemeinsam angehen sollten. 

Und wohin uns das alles führen kann, schreibt Nina Pauer leider gar nicht. Sie schreibt nichts davon, dass das Reflektieren und die Entwicklung zu einem selbstsicheren, emotional kompetenten Wesen Spaß macht. Wünschenswert wäre, wenn es nicht eine Frage des Geschlechts ist, Lebensziele zu finden, die sehr einfach sind, dass man “lachen will an den richtigen Stellen” und gern geben will was man “zu geben vermag. Davon schreibt sie nichts.

Ich bin nun auch noch auf zwei weitere Repliken gestoßen: 
@fraeulein_Tessa sowie @owlshowl in ihren Blogs! 

Dez. 15

Sie frisst alles


Wo man nicht zu sprechen wagt, in dunklen Ecken nistet sie sich ein und wartet und wartet. Wartet auf Momente in denen Knie weich werden, das Leben Striche durch Rechnungen macht. Wenn die Welt  ins Wanken kommt, beginnt sie zu wachsen. Still nährt sie sich von Dunkelheit und Schweigen, von Unausgesprochenem, von Scham und Not. Je mehr Ruhe sie hat, desto besser gedeiht sie, breitet sich aus, gewinnt an Macht. Frei von Umsicht nutzt sie jeden Raum,  drängt in jeden Winkel, ist irgendwann überall. Dann bleibt nichts frei; nur Angst bestimmt. Nur Not noch, überall. Sie herrscht allein, furchtbar, diktiert Gedanken und legt sich über noch so schöne Eindrücke. Sie ist dann immer da und befiehlt über, Denken, Fühlen, Leben. Jeder Schritt scheint wie von Felsen gebremst, jedes Gefühl verklebt vom dunklen Hemmschuh ungesagter Not. 

Die Macht nimmt nur der direkte Blick in ihr Gesicht, die Aussprache ihrer Anwesenheit entzieht ihr Kraft. Ein Fingerzeig auf ihre Existenz, der hält sie klein und zahm. Dann ist sie wichtig, warnt; dient still ruhend.    

Dez. 07

Wir sind alle Mutanten

Wir sind die, die verstanden haben, dass das Netz eine große Chance ist, dass es uns verbindet und dass es überall ist und dass das gut so ist.

Wir sind die, die begriffen haben, dass man sich gegen das Netz nicht wehren kann, denn es ist da, überall. Wir können es nur nutzen, klug und engagiert. Unterdrücken kann man es nur mit Gewalt und Gewalt lehnen wir ab.
Wir sind die, die den Anderen immer wieder zu erklären versuchen, dass das Netz gut ist, dass es eine Chance ist, für uns alle. Wir sind die, die die Anderen dafür gewinnen wollen, mit dem Netz Bildung zu vereinfachen, medizinische Betreuung zu verbessern und wir wollen helfen mit dem Internet Kontakte zu knüpfen. 
Aber wir sind auch die, die immer wieder Scheitern. Weil die Menschheit Angst vor dieser Neuerung hat. Sie befürchten es könnte sie durchleuchten, das Netz oder es könnte sie terrorisieren oder dabei helfen es zu tun oder sie könnten die Kontrolle verlieren, über das Leben oder ihren Beruf oder ihren Staat.
Wir sind so wie die X-Men der Gesellschaft. Nur eben nicht mit Mutanten, sondern mit dem Internet, nicht in einem Comic, sondern in echt. 
Wir werben friedlich für die Aufgeschlossenheit, die man neuen Dingen entgegenbringen muss. Wir lehnen, so verlockend das manchmal sein mag, Arroganz ab, weil Arroganz Gräben schlägt wo wir Brücken brauchen. 

Wir wissen, dass das Internet gewinnen wird, weil es ohnehin schon überall ist. Aber wir wollen, dass alle mitmachen, weil es besser ist, wenn alle mitmachen. 

Die Häme und Arroganz und Wut Vieler, die die Entwicklung ebenfalls sehen, ist verständlich. Sie sind enttäuscht und sie wissen auch, dass das Netz gewinnen wird. 
Aber Wut ist uns kein soziales, demokratisches und legitimes Handlungsmotiv. Wut wäre viel zu einfach. 

Wir sind die X-Men des Internet, wir werden weiter für das Verständnis der Menschheit kämpfen. Die Gesellschaft muss begreifen, dass das Netz etwas Wunderbares ist. Wir wollen die Menschheit mitnehmen, sie begeistern, anders geht es gar nicht, in Frieden. 


Der hier vorzufindende Pathos ist beabsichtigt.

Nov. 29

Lass los?!

Loslassen. trennen und sortieren! Was erfüllt? was füllt nur? Finden, dass was irgendwas macht und das was etwas mit mir macht. Suchen, nach Dingen die hängenbleiben und nicht nur kleben. Was bewegt und was beschwert? Will ich hier bleiben oder komme ich hier nur einfach nicht voran? Hat das eine Richtung oder wabert das alles nur? Kann ich trennen? Unterscheiden? Entscheidend ist doch nicht wohin ich gehe, sondern dass es voran geht. Oder soll ich zufrieden sein und bleiben? Macht mich das hier noch glücklich oder ist das nur okay? Ist das okay oder war das einfach immer schon so? Ist okay genug? Aufstehen? Schwere Gewohnheiten an allen Gliedern. Wie kalt ist es draußen? Kann mir das mal jemand sagen?