
Es könnte so einfach sein. Wir könnten sekttrinkend durch Straßen schlendern und lächelnd die Beine von Brücken baumeln lassen. Machen tun wir jungen Männer das eher selten. Zumindest tun wir das zu selten. Denn die Leichtigkeit des Beinebaumelns kann man nicht zu oft genießen. Gerne würden wir jeden Tag besondere Momente mit besonderen Menschen teilen und genießen, aber diese Leichtigkeit gibt es nicht im Überfluss, und es gab sie wohl auch nie.
Wir jungen Männer scheinen aber heute wohl den Eindruck zu machen, wir seien gehemmt und zögernd und nachdenklich und irgendwie in uns verloren. Wir wüssten nicht zu genießen, hätten Angst, uns hinzugeben. So skizziert Nina Pauer die so genannten “Schmerzensmänner” in einem ZEIT-Artikel. Wir hätten uns in der eigenen “Metaebene verheddert” und seien nicht mehr in der Lage, davon herunterzukommen.
Und sicher beschäftigen wir uns mehr denn je mit uns. Unser emotionales Universum bietet mehr als Wut und Freude. Und unsere Lebensziele beschränken sich eben nicht allein auf Wohlstand und Wirtschaftswachstum, den Kegelverein und das Hochbeet im eigenen Vorgarten.
Wir versuchen, einen und vielmehr unseren Platz in einer vielfältigen Welt zu finden. Die Multioptionsgesellschaft bietet viel mehr, als wir je erleben könnten. Wir, die heute um die 30-Jährigen, konnten als erste Generation alles werden und könnten alles sein. Wir müssen uns nur entscheiden. Nur entscheiden müssen wir uns. Und diese Entscheidungen wollen durchdacht werden, denn bereuen will man nichts.
Denken und Reflektieren lernen wir heute von klein auf. Wir müssen von jeher mit Entscheidungen leben und erleben, wie mit ihnen gerungen wird. Tante Kathrin schenkte Plastik und Tante Heide immer Holzspielzeug. Wir mussten aufs Gymnasium oder auf die Realschule. Wir lernten Französisch, Englisch oder Latein. Wir konnten ins Ausland gehen oder schnell ein 1er Abitur machen. Und irgendwann, irgendwie mussten wir uns auch noch selber finden, zwischen Abitur und den drei Jahren Berufserfahrung, die man nach dem Studium mit 24 aufweisen sollte. Das ist eine harte Aufgabe. Ein Bauchgefühl entwickeln und eine Persönlichkeit aus sich herauszufinden, trotz des Grundrauschens, das uns ständig umgibt. Eine komplexe Gefühlswelt erforscht man nicht in 20 Lebensjahren, und den Umgang mit ihr zu erlernen, bedarf seiner Zeit. Und wenn man sich finden will, dann muss man erstmal suchen. Und das sieht, auch wenn sich mancher und manche das offensichtlich sehr wünscht, selten immer cool, selbstbewusst und stark aus.
Und diesen Findungsprozess, der sicher auch mit Zweifeln oder zumindest damit zu tun hat, sich zu hinterfragen, den machen heute Frauen wie Männer durch.
Deshalb stehen wir zusammen bei Konzerten von Bon Iver und genießen es, wie der Mann auf der Bühne gerade sein Herz auf derselben ausschüttet. Und deshalb stehen auch Männer sich heute bei der Karriere mitunter selbst im Weg, wenn sie Aufgaben nicht selbstverständlich an sich reißen, weil sie sich diese nicht automatisch zutrauen. Und deshalb fragen sich zunehmend auch Männer, welche Rolle sie in einer Familie einnehmen wollen und wie diese mit dem Beruf vereinbar ist.
Frauen und Männer stehen da gemeinsam, weshalb sie vieles auch gemeinsam angehen sollten.
Und wohin uns das alles führen kann, schreibt Nina Pauer leider gar nicht. Sie schreibt nichts davon, dass das Reflektieren und die Entwicklung zu einem selbstsicheren, emotional kompetenten Wesen Spaß macht. Wünschenswert wäre, wenn es nicht eine Frage des Geschlechts ist, Lebensziele zu finden, die sehr einfach sind, dass man “lachen will an den richtigen Stellen” und gern geben will was man “zu geben vermag. Davon schreibt sie nichts.
Ich bin nun auch noch auf zwei weitere Repliken gestoßen:
@fraeulein_Tessa sowie @owlshowl in ihren Blogs!